Die Geschichte von Erik

 

Erik wurde in Wuppertal geboren, wo er auch aufwuchs. Er hatte einen Cousin, der war vier Jahre älter als er und war für ihn wie ein Halbgott. Immer wenn er Probleme hatte oder irgendwelchen Sorgen ging er zu ihm und fragte ihn um Rat. So ging das Jahr für Jahr. Mit sechs Jahren wurde er eingeschult und kam später in die Realschule. 

Er erzählte immer seinem Cousin Jens dass sein Leben sehr fad sei. Jens, sein Cousin, machte ihm klar, dass er noch zu jung sei und dass wenn er in der Ausbildung ist, sich alles ändern würde. Er würde sein erstes Geld verdienen und es würde dann alles anders sein. Und Erik kam in die Ausbildung und es änderte sich bei ihm nichts. Jens machte ihm klar, dass Ausbildungsjahre keine Herrenjahre sind und das wenn er einen richtigen Job später als Geselle bekommt, sich alles ändern würde. Und Erik schloss die Ausbildung ab und bekam eine Arbeit als Geselle. Aber bei ihm änderte sich nichts. Da meinte Jens: "Was du brauchst ist eine Frau, dann wird alles anders. Du wirst sehen." Und Erik bekam eine Frau und trotzdem änderte sich bei ihm nichts. Da meinte Jens: "Was ihr braucht sind Kinder, dann wird alles ganz anders." Und die Frau gebar ihm zwei Kinder. Doch in Eriks Leben änderte sich nichts. 

 

Die Ehe von Erik verlief mehr recht als gut. Es gab keine besonderen Höhepunkte, aber sie stritten sich auch wenig. 

Da nichts Besonderes. Erik ging arbeiten und die Frau kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder. 

Aus der Ehe: Frau Anne: "Erik, zieh den blauen Anzug, den ich dir von der Reinigung gebracht habe an. Pastor Hans hat uns zum Essen eingeladen. Die Kinder dürfen wir auch mitbringen." So ging das Jahr für Jahr. Sonntags gingen sie in die Gemeinde und ab und zu mal Freitags gingen sie mit den Kindern in den Zoo. 

 

Und Erik fiel in einen tiefen Traum. Und ein Engel erschien ihm: "Erik! Erik! Wach auf! Der Satan steht vor deiner Tür und verlangt nach deiner Seele!"

Entsetzt erwiderte Erik: "Aber, aber?"

Der Engel: "Nix aber."

Erik: "War ich nicht jeden Sonntag in der Gemeinde?"

Der Engel: "Das mit der Gemeinde war mehr ein Hobby für dich."

Erik: "Aber, aber."

Der Engel: "Nix aber."

                 Deine Frau und deine Kinder meinst du? 

Erik: "Aber, aber."

Der Engel: "Nix aber. Wusstest du nicht, dass du weder deine Frau noch deine Kinder noch deine Überstunden mitnimmst?"

Erik: "Aber, aber."

Der Engel: "Deinen Cousin meinst du? Das war nicht dein Cousin, das war der Satan. Und du hast ihm eifrig zugehört."

Erik: "Aber, aber."

Der Engel: "Nix aber."

Der Engel: "Und dem polnischen Arbeitskollegen, denen ihr das Leben bei der Arbeit zu Hölle machtet und der jeden Abend zu Gott gefleht hat, er soll ihm die Arbeit ein wenig leichter machen, und du an der Spitze."

Erik: "Aber, aber."

Der Engel: "Nix aber. Wusstest du nicht, dass Gott keine halben Sachen mit niemand macht?"

Da erschien ihm ein zweiter Engel aus dem Hintergrund und sagte zu ihm: "Du wirst nicht sterben."

Da wachte Erik in der Intensivstation eines Krankenhauses auf. 

Wenige Minute später kam der Arzt rein: "Sie haben einen Schlaganfall gehabt."

Da weinte Erik bitterlich. 

Nach zwei Wochen wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. 

 

Zuhause sprach Erik kaum ein Wort und war total in sich gekehrt. Seine Frau Anne meinte, das wird sich schon wieder legen. 

Er erzählte von diesem Traum keinem. Nach drei Monaten wurde er wieder arbeitsfähig geschrieben. Doch dieses Mal war alles anders. Er half dem polnischen Kollegen, was seine Mitarbeiter nicht verstanden und sich empörten.Sie fingen an Erik das Leben schwer zu machen. Als zum Beispiel Erik nach einem Werkzeug suchte, schickten sie ihn immer von einem zum anderen. 

Erik: "Hans, kannst du mir sagen wo der Knarrenschlüssel ist?"

Da meinte Hans: "Geh zum Peter."

Da ging er zum Peter und fragte das gleiche und er schickte ihn zum Klaus. 

Nachmittags, kurz nach Feierabend, kam der Chef und fragte ihn, ob er eine Extraeinladung bräuchte, wieso er mit der Arbeit nicht fertig wäre. So ging das Tag für Tag und keiner der Kollegen half ihm. Nach mehreren Wochen kündigte Erik seine Arbeit. 

Zwei Wochen später erfuhr das seine Frau. 

"Erik, bist du denn von Sinnen? Wie kannst du die Arbeit kündigen? Wie sollen wir unsere Eigentumswohnung bezahlen?" 

Traurig guckte Erik zu Boden und sagte: "Wir können uns ja eine günstigere, kleinere Mietwohnung suchen."

Da erwiderte seine Frau: "Ich will aber nicht in eine kleinere Mietwohnung."

Zwei Wochen später sagte seine Frau: "Entweder gehst du oder ich gehe. Die Kinder nehme ich mit."

Ein paar Tage später sagte Erik zu seiner Frau, dass er ihn ein paar Wochen Zeit lassen, er würde sich ein Apartment suchen. 

In der Gemeinde erzählte Erik, dass es nicht egal ist, was man macht, was man denkt und was man glaubt. 

Da empörten sie sich in der Gemeinde und ekelten ihn raus. 

Erik suchte sich ein Apartment, wo er dann einzog. Abends, ohne jeden Grund, verrutschte die Nachbarin über ihn die ganze Nacht die Möbel. Da wusste er, dass er da nicht bleiben konnte. Er suchte sich ein anderes Apartment, wo Nachts der Nachbar mit dem Hammer gegen die Heizung schlug. Da wusste er, dass er in keinem Apartment klar kommen würde. 

Er erinnerte sich dass er noch 2000 Euro auf dem Sparbuch hatte und entschloss sich ein Gartenhaus zu kaufen. Schließlich fand er eins, wo er dann einzog. Er fand eine Gemeinde, wo nur zehn Leute verkehrten und wo man ihn in Ruhe ließ. 

Eines Tages kratzte bei vor der Tür vom Gartenhaus eine entflohene Hauskatze, die er dann bei sich aufnahm. Da er nirgendwo gemeldet war, bekam er kein Geld so dass er mit der Gitarre das Wenigste, was er brauchte, sich erbettelte. 

Das Gartenhaus, in dem er lebte, war feucht und kalt, aber er konnte wenigstens schlafen. 

Eines Tages kam ein strenger Winter und Erik starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoss getragen. Zwei Tage später fanden ihn die Feuerwehr tot in seinem Gartenhaus. 

Da meinte einer der Feuerwehrleute: "Hast du schon mal so einen Toten mit so einem Lächeln gesehen?" 

 

Und die Moral von der Geschichte: Für manche ist das eine traurige Geschichte, für manchen eine fröhliche. 

 

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Wuppertal, 8.8.16

Oscar Garcia

 

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