Die Geschichte von einem Penner Mann und einer Penner Lady

 

 

Es war einmal ein Mann, der war Mitte 50 und lebte als Penner. Er war weder Alkoholiker noch hatte er sonst irgendwelche Süchte. Er war allerdings einmal ein bekannter Spieler gewesen und hatte alles verloren. Ihm machte das Ganze nichts aus, denn er war sowieso nicht glücklich. Er besaß ein Fahrrad und zog von Ort zu Ort, wo er das Wenige, war er zum Leben brauchte, sich erbettelte.

Eines Tages kam er am Rathaus in Wuppertal vorbei und sah eine Penner Lady, die unter`m Rathaus schlief. Es war an der Frau nichts Besonderes dran, außer daß sie auch Mitte 50 war. Diese Lady sah ihn, denn er war immer sauber angezogen, und schenkte ihm ein Lächeln. Dieses Lächeln durchdrang seinen ganzen Körper. Er wußte plötzlich, daß er die Frau gefunden hatte, die er immer gesucht hatte. In Gedanken an sie ging er nach Hause.

Er lebte in einem alten Raum, den er unter einer Brücke gefunden hatte, wo einst früher die Handwerker ihr Werkzeug ließen. Er machte sich Sorgen, weil er nicht mehr als diesen Raum und sein geklautes Fahrrad besaß. Und außerdem war er auch noch schüchtern. Wochenlang ging er am Rathaus vorbei und schaute seine Lady an. Aber die Lady Pennerin bemerkte ihn nicht oder wenigstens tat sie so.

Eines Tages hatte er einen guten Tag und nahm in den 5 Stunden, die er da stand, 15 DM ein. Er brauchte nämlich zum Leben nur 5 DM am Tag. Da beschloß er, seine Lady zu einer Tasse Kaffee einzuladen. Mutig und entschlossen stellte er sich vor den Rathauseingang, aber ihm fehlten die Worte. Aber diesmal bemerkte ihn die Penner Lady. Sie raubte ihm einfach die Worte aus dem Mund. Glücklich sagte sie "ja" und wußte, daß sie den Mann für`s Leben gefunden hatte. Sie nahm ein Stück Kayal Stift aus ihrer Tasche, den sie mal gefunden hatte und für diesen Tag aufbewahrt hatte. Sie schminkte sich damit die Augen.

Sie lernten sich kennen. Eine Hochzeit kam überhaupt nicht in Frage, denn soviel Geld hatten sie nicht, und da beschloß der Mann, sie zum ersten Mal zu sich einzuladen. Er hatte extra die Wohnung, diesen einen Raum, in dem er lebte, von vorne bis hinten geputzt. Aber er brauchte nicht viel putzen, denn seine Wohnung war immer sauber.

Er hatte extra gespart für diesen Tag, denn die Penner Lady hatte ihm erzählt, wie wunderbare Salate sie mache. Und Salat war im Winter nicht billig. Sie machte für ihn den Salat. Da fragte sie ihn, ob er mit ihr schlafen würde. Er hatte ein Bett, das war 1,20 groß und zum ersten Mal liebten sie sich. Langsam fühlten sich beide in dem Raum heimisch und es wurde immer gemütlicher.

Sie hatten aber nur ein Fahrrad. Da entschlossen sie sich, nach Düsseldorf zu fahren, um noch ein zweites Rad zu klauen. Die guten Fahrräder waren immer abgeschlossen, und Werkzeug besaßen sie nicht. Sie mußten also lange suchen, bis sie ein altes fanden, das nicht abgeschlossen war. Aber schließlich fanden sie eins.

Die Wohnung, der Raum, in dem sie lebten, besaß eine Metalltür. Man konnte sie gut abschließen, und Ungeziefer kam auch nicht herein. Sie hatten zwei Betten und liebten sich mal in dem einen und mal in dem anderen. Aber jeder hatte sein eigenes Bett. An der einen Wand war ein kleines, rundes Fenster, durch das eine halbe Stunde am Tag die Sonne herein schien - natürlich nur , wenn gutes Wetter war. Aber diese halbe Stunde verpaßten sie nie. Sie hatten zwei Stühle dahingestellt, wo die Sonne auf ihre Beine schien. Denn für mehr reichte das Fenster nicht. Sie erzählten sich in dieser halben Stunde Geschichten, die sie erfanden. Sie nahmen diese jedoch ernst und glaubten sie.

Einen Tag in der Woche gingen sie nicht betteln und gingen, oder besser fuhren, mit dem Fahrrad zu einem See, der in der Nähe war. Denn dort machten sie immer von den paar Groschen, die sie während der Woche gespart hatten, Picknick. Das machten sie auch bei schlechtem Wetter, denn sie waren nicht wetterempfindlich.

Und die Moral von der Geschichte:

man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Nur wenn man überhaupt nichts hat, kann man auch nicht glücklich sein!

 

 Wuppertal 1999, alle Rechte beim Autor.

(Geschrieben von Oscar Garcia)

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Oscar Garcia 

Wuppertal

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